Mittelzimmer.

Weil es so vieles zu erzählen gibt.

Nonsense im Weinbergspark

Neulich im Weinbergspark, an Menschen viel, der Himmel blau.
Sagt einer mit Dreitagebart zu seinem Kumpel:
„Wenn ich einen Film drehe, drehe ich einen Film.“
Der Kumpel schweigt, nickt langsam, zieht an seiner Zigarette, bläst Rauch aus.
Eine Freundin, mit der ich wenige Schritte entfernt in der Sonne sitze, dreht ihren Kopf vom Filmemacher weg, guckt geradeaus.
„Den tieferen Sinn haben wir wohl nicht nicht mitgekriegt“, sage ich.
„Vielleicht gibt es den gar nicht. Man muss ja nicht immer tiefsinnig sein“, sagt sie, blinzelt in die Sonne und rupft Grashalme aus dem Park. image(2)

Randnotiz

Während wir Lyrik beklatschen im Bus auf der Autobahn gen Hildesheim, erscheinen Hochhäuser am Horizont, links, wenn man den Kopf dreht, zum Fenster raus. Sandys, Mandys und Kevins wohnen da, vielleicht, und womöglich auch ein Paul und eine Marie, aber die Wahrscheinlichkeit – wer weiß das schon. Wir sitzen also in diesem Lyrikbus, der auch ein Prosabus ist und fahren zu einem Literaturfestival, zur Prosanova um genau zu sein; und reden über das Schreiben und Stipendien für das Schreiben und Wettbewerbe und Schreibschulen und einige lesen ihre Schreibe vor. Es ist schön, nicht mehr die einzige Literaturnerdin zu sein, die Sachen in ihr Notizheft schreibt, wann immer ihr etwas einfällt; egal, ob es gerade passt und das nicht erklären muss. Dieses Gefühl wird sich halten und nachklingen, wenn die Lesungen schon alle gelesen, die Performances in Szene gesetzt, die Debatten geführt, die Clubmate leer und die Festivaltage nur noch Erinnerungen sind. Sandy, Mandy und Kevin können die Autobahn sehen, aus dem Fenster raus, aber nur, wenn sie hoch genug wohnen. Wenn sie das tun, können sie gar nicht anders, als auf die Autobahn zu schauen, die zwar weit weg ist aber quasi gegenüber, hinter Feldern zwar und trotzdem gut sichtbar, zumindest in der Nacht, stelle ich mir vor. Ich stelle mir vor und erinnere mich, wie sie hinter Gardinen und Jalousien sitzen, jeden Tag durch ein Treppenhaus voller Tags rauf und runter, ein Geruch von Bohnensuppe und Katzenurin zwischen den Stockwerken, runter in den Hof, eine Kippe schnorren und schweigen. Was könnten sie für Geschichten schreiben aus diesem Leben und sind vielleicht schon dabei – wer weiß das schon. Im Lyrikprosabus wird auf alten Handys getippt die noch keine Smartphones sind, weil es die noch nicht gab, als sie gebaut wurden oder weil es schicker ist, aber das ist nur eine Vermutung. Genauso schick wie zerrissene Jeans und kaputte Schuhe und alte Pullis, die Mandy, Kevin und Sandy nie tragen würden, weil das nicht schick genug ist, um sich abzuheben von der Herkunft. Man will ja was repräsentieren und wollen wir das nicht alle? Wir, die von Träumen leben und nicht davon leben können.

Lass uns fahren

autos_blog

Flausen im Kopf.
Alles Schrott.
Autobahn.
Überholspur.
Erwartungen.
Viel zu hoch.
Alles neu.
Leuchten.
Da War was.
Wie peinlich.
Goldblatt.
Nicht so meins.
Deins?
Schön bunt hier.
Unter Strom.
Fahrtwind.
Alles schon da gewesen.
Hügelig.
Flachland.
Ausfahrt.
Haushoch.
Fallstrick.
Zerwühlt.
Nicht mein Typ.
Nächster Versuch.
Big lilttle things.
Liebling.
Staugefahr.
Handlanger.
Hundeleben.
Ein Schritt zurück.
Heute nicht mehr.
Vielleicht doch.
Irgendwann.
Das wollte ich immer schon.
Morgen ist auch noch ein Tag.

Zitat des Tages

Zitat des Tages

Berlin-Wedding, Hinterhof Gerichtstraße 23

Küchengespräche I

Drei Frauen, Oma, Mutter, Enkelin. Sie sitzen in der Küche. Plastiktischdecke, darauf selbst gebackener Pflaumenkuchen, aufgetaut. Draußen windstilles Grau. Kein T-Shirt-Wetter mehr.

„Jedenfalls, der mochte so was. Jeden Morgen hat der rohe Eier getrunken. Ich sollte das dann auch machen, weil ich immer so blass war.“ Die Mutter, Generation Babyboomer

„Opa hat gedacht, das sei gesund. Deswegen hat er das gemacht, jeden morgen ein Glas. Sicher nicht, weil er rohe Eier so mochte.“ Die Enkelin, Generation Y, gerade noch so

„Was denn?“ Die Oma, Kriegsgeneration

„Na, die rohen Eier.“ Die Enkelin

„Ich hab schon wieder so eine Stelle im Ohr.“ Die Mutter, sich kratzend

„Meine Mutter hatte ja selber Eier. Also Hühner. Mit den Eiern von heute kann man das ja nicht mehr. Jedenfalls, aber früher, da ging das.“ Die Oma

„Ich mochte als Kind ja Eischnee mit Zucker. Das würde ich heute im Leben nicht mehr essen.“ Die Mutter

„Ich ess noch einen!“ Die Oma, beugt sich nach vorne, greift zum Kuchen, der auf dem Tisch steht. „Muss nur die Kante abschneiden.“

„Gut, ein Stück ess ich auch noch.“ Die Mutter

„Kann man heute nicht mehr essen, rohe Eier.“ Die Oma, Pflaumenkuchen kauend

„Ich muss bestimmt zum Ohrenarzt.“ Die Mutter, am Ohr kratzend

„Du bist ja selbst schuld. Weil du mit dem Ohrenstöpsel, nein Ohrenstäbchen …, nein ich mein Wattestäbchen, herrgot, weil du damit immer drin rumstichst.“ Die Oma

„Ja …“ Die Enkelin

„Und bei dir ist es auch wieder schlimmer geworden?“ Die Oma zur Enkelin

„Nee, guck mal, alles wieder schick. Ich war beim Hautarzt und …“ Die Enkelin

„Ich hab ja auch eine Nickelallergie. Richtig schlimm. Auf dem Rücken hatte ich so ein Pflaster, zum testen. Gejuckt das dann, aber wie. Das kann sich keiner vorstellen, wie schlimm das war.“ Die Mutter

Zitat des Tages

Bodenpoesie

Gesehen auf den Bodenfliesen am Hackeschen Markt, Mittwochabend, 18 Uhr. Kaum blitzte es aus meiner Kamera, stand plötzlich ein Pressefotograf neben mir. Aus dem Nichts kam der. „Wat steht denn da Tolles? Ick kann keen Englisch.“ Ich übersetzte. „Na also weise is dat nich“. Er war enttäuscht. Immer noch keine Sensation. Dabei war er doch dafür hergekommen, zum Hackeschen, Promis fotografieren, wie sie ein Event besuchen. Doch er war zu früh, der rote Teppich: leer. „Kommt jemand spannendes?“ erkundigte ich mich. „Nee, nur C-Promis. Nicht mal D-Promis, das wär wenigstens was!“ Sagte er und machte sich auf die Suche.

Zitat des Tages

„Das werden die nicht durckriegen, wir sind ein christliches Land.“

Ernste Miene und dampfender Kaffee, es ist 8.15 Uhr. Eine junge Frau sitzt mit Freunden vor einem Bäcker in der Berliner Turmstraße und diskustiert. Ich wüsste zu gern, worüber. Muss aber weiter.

Der frühe Vogel …

Der frühe Vogel ...

Mittelstreifen

 

Auf der faulen Tag

Zitat des Tages

„Sei mal wild!“

In alten Aufzeichnungen gefunden.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 165 Followern an