Küchengespräche I

von saskiaweneit

Drei Frauen, Oma, Mutter, Enkelin. Sie sitzen in der Küche. Plastiktischdecke, darauf selbst gebackener Pflaumenkuchen, aufgetaut. Draußen windstilles Grau. Kein T-Shirt-Wetter mehr.

„Jedenfalls, der mochte so was. Jeden Morgen hat der rohe Eier getrunken. Ich sollte das dann auch machen, weil ich immer so blass war.“ Die Mutter, Generation Babyboomer

„Opa hat gedacht, das sei gesund. Deswegen hat er das gemacht, jeden morgen ein Glas. Sicher nicht, weil er rohe Eier so mochte.“ Die Enkelin, Generation Y, gerade noch so

„Was denn?“ Die Oma, Kriegsgeneration

„Na, die rohen Eier.“ Die Enkelin

„Ich hab schon wieder so eine Stelle im Ohr.“ Die Mutter, sich kratzend

„Meine Mutter hatte ja selber Eier. Also Hühner. Mit den Eiern von heute kann man das ja nicht mehr. Jedenfalls, aber früher, da ging das.“ Die Oma

„Ich mochte als Kind ja Eischnee mit Zucker. Das würde ich heute im Leben nicht mehr essen.“ Die Mutter

„Ich ess noch einen!“ Die Oma, beugt sich nach vorne, greift zum Kuchen, der auf dem Tisch steht. „Muss nur die Kante abschneiden.“

„Gut, ein Stück ess ich auch noch.“ Die Mutter

„Kann man heute nicht mehr essen, rohe Eier.“ Die Oma, Pflaumenkuchen kauend

„Ich muss bestimmt zum Ohrenarzt.“ Die Mutter, am Ohr kratzend

„Du bist ja selbst schuld. Weil du mit dem Ohrenstöpsel, nein Ohrenstäbchen …, nein ich mein Wattestäbchen, herrgot, weil du damit immer drin rumstichst.“ Die Oma

„Ja …“ Die Enkelin

„Und bei dir ist es auch wieder schlimmer geworden?“ Die Oma zur Enkelin

„Nee, guck mal, alles wieder schick. Ich war beim Hautarzt und …“ Die Enkelin

„Ich hab ja auch eine Nickelallergie. Richtig schlimm. Auf dem Rücken hatte ich so ein Pflaster, zum testen. Gejuckt das dann, aber wie. Das kann sich keiner vorstellen, wie schlimm das war.“ Die Mutter

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